
Ewa Babiarz – Passagierin_Parasitin, 2026, Öl und Acryl auf Leinwand, 120 × 160 cm
Malerei
Ewa Babiarz
Martyna Czech
Klaudia Prabucka
Zuzanna Szary
Katarzyna Szeszycka
…Die Erzählungen der Künstlerinnen, die zur Eröffnungsausstellung der NAF Gallery eingeladen wurden, verbindet – trotz ihrer unterschiedlichen künstlerischen Positionen – eine Hermeneutik des Verdachts gegenüber Narrativen, die vermeintliches Glück und Freiheit versprechen, denen jedoch die Dialektik des Schmerzes kultureller Erzählungen fehlt.
Die Sublimierung von Theodor W. Adornos Gedanken, dass der Schmerz ein Riss sei, durch den das völlig Andere eindringt, und dass die Negativität des Anderen die Kunst zu einer Gegenerzählung der herrschenden Ordnung macht, ist in Wahrheit eine der Gegenwart trotzende Dialektik. Sie begreift das Leiden als eine prägende Erfahrung, die zur Wahrheit führt und eine Gemeinschaft der Kunst formt, in der der zu Subjektivität gelangende Körper der Kunst zum zentralen Thema des künstlerischen Schaffens wird. Dabei führt sie sowohl die Künstlerinnen als auch das Publikum über die Grenzen des eigenen Komforts hinaus.
Die Überschreitung (Transzendenz) als aktiver schöpferischer Akt verleiht der analysierten Ikonografie der Gemälde jeder einzelnen Künstlerin Glaubwürdigkeit. Zugleich regt sie dazu an, Antworten auf die nicht immer ausdrücklich formulierte Frage nach dem Status dieser transformierenden Erfahrung zu suchen.
Halten wir daher fest: Die scheinbare Lesbarkeit und Transparenz der angeführten Bedeutungen, Symbole und Erzählungen kann die Rezeption der in der Ausstellung präsentierten Gemälde auf natürliche Weise erleichtern. Kritische Interpretationen sollten jedoch nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Sie rekonstruieren lediglich eine bestimmte Erzählung, ordnen deren einzelne Elemente nach eigenem Ermessen ein, verweisen auf Quellen und heben vermeintlich logische Zusammenhänge zwischen den festgestellten Aussagen hervor. Letztlich begegnet jedoch jeder Betrachtende allein dem lebendigen Körper der Kunst – in seiner ganzen Schönheit und in den Emotionen, die er hervorruft …
„Religion zu haben heißt, das Universum zu betrachten; und der Wert eurer Religion beruht auf der Art, wie ihr es betrachtet, sowie auf dem Prinzip, das ihr in seinem Wirken erkennt.“ Diese berühmte und weithin bekannte Formulierung des deutschen Philosophen und Theologen Friedrich Schleiermacher (1768–1834), der als Begründer der modernen universellen Hermeneutik gilt, lässt sich auf die kritische Beschreibung des zeitgenössischen Kunstfeldes beziehen.
Der Universalismus des Verstehens, von dem Schleiermacher spricht, formuliert zugleich eine gesellschaftliche Dimension der Kunst. Deshalb ist dem Berliner Philosophen Byung-Chul Han zuzustimmen, wenn er feststellt, dass wir heute – indem wir zwanghaft unsere eigene Seele, nicht aber das Heilige, reparieren – den bejahenden gesellschaftlichen Kontext aus den Augen verlieren. Die gegenwärtige Krise gesellschaftlicher Narrative, also die verbreitete Bejahung eines gruppenegoistischen Wohlbefindens, führt zur Verkümmerung und Ohnmacht der Sprache zeitgenössischer Kunst. Sie weist Negativität zurück und vergisst, dass Schmerz reinigt, während einer Kultur des „Gefällt mir“ die Möglichkeit der Katharsis fehlt …
(Auszug aus einem kritischen Text)
kurator / Andrzej Pawełczyk
